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Die neuen IPv6 Adressen
5. Migration von IPv4 nach IPV6
Ein wichtiger Aspekt für die Einführung eines neuen Internet-Protokolls ist die
Kompatibilität mit der großen Menge von bereits installierten IPv4-Hosts und -Routern.
Die Migration von IPv4 nach IPv6 soll einfach und ohne nennenswerte (zeitliche) Abhängigkeiten
zu anderen Maßnahmen erfolgen können. Die IETF plant folgende Migrations-Mechanismen:
- Grundprinzip soll der "Dual-IP-Stack" sein, d.h. IPv4-Hosts und Router werden zusätzlich um
den IPv6-Stack ergänzt. Diese Koexistenz sichert zum einen die vollständige Kompatibilität
zu noch nicht aufgerüsteten Systemen und ermöglicht zum anderen den frühen Einsatz von
IPv6 für die Kommunikation mit bereits aufgerüsteten Systemen.
- IPv6-in-IPv4-Encapsulation: IPv6-Datagramme können in IPv4-Datagramme "eingepackt" werden, um
eine IPv6-Kommunikation auch über reine IPv4-Topologien zu ermöglichen. Dieses sogenannte
"Tunneln" von IPv6-Paketen ermöglicht so den frühen weltweiten Aufbau einer IPv6-Kommunikation,
auch wenn noch nicht alle Netzwerke, die Teile der Kommunikationswege sind, IPv6 beherrschen. Die Tunnel
zwischen zwei Routern müssen manuell konfiguriert werden, während sich Tunnel zwischen Hosts
und Routern auch automatisch aufbauen können. Diese Tunneltechnik wird bereits seit Juli 1996 im
IPv6-Testnetzwerk "6bone" erprobt. An diesem Netz sind mehr als 332 Teilnehmer aus 39 Staaten
beteiligt (Stand Dezember 1998). Allerdings erfordert das Tunneln zusätzlichen Aufwand und führt
zu Einbußen bei der Performance. Die Tunnel müssen manuell gepflegt werden und erfordern daher
administrativen Aufwand.
- Das Tunneln von IPv6-Datagrammen kann wieder entfallen, wenn alle Router auf den jeweiligen
Kommunikationswegen um IPv6 aufgerüstet sind.
Durch diese Parallelität der Protokolle kann das neue Internet-Protokoll schon früh und
in großem Maße installiert und ausprobiert werden, ohne den gegenwärtigen IPv4-Verkehr zu
unterbrechen. Das "Abschalten" von IPv4 ist erst in vielen Jahren, oder ggf. auch gar nicht zu erwarten,
jedoch ist damit zu rechnen, daß von einem bestimmten Zeitpunkt an keine weiteren IPv4-, sondern nur
noch IPv6-Adressen vergeben werden. Hier wird aber sicher genügend Zeitraum eingeplant,
so daß Netzwerkbetreiber und Endbenutzer weitgehend nach ihren eigenen Bedürfnissen
und Zeitplänen migrieren können.
Darüber hinaus müssen existierende Protokolle
an die Anforderungen oder die Adress-Architektur von IPv6 angepasst werden
(z.B. DNS, DHCP, RIP, TCP, UDP, ICMP) und auch neue Protokolle entwickelt werden, um die neuen
Möglichkeiten von IPv6 auch nutzen zu können.
Auf der Applikationsebene müssen teilweise kleinere Änderungen erfolgen, meist handelt es sich
hierbei um die Unterstützung längerer Adressen, oder Applikationen müssen völlig
überarbeitet werden, um die neuen Möglichekeiten zu unterstützen.
Auf der Betriebssystemseite müssen auch größere Änderungen vorgenommen werden. Sei es
eine Änderung der kompletten API oder nur neue oder überarbeitete Netzwerkbefehle oder aber auch
die Unterstützung von Autokonfiguration, Sicherheit, etc. Aber jede größere Firma, die in
diesem Bereich tätig ist, testet heute schon IPv6 mit ihren Systemen. Eine endgültige Implementierung
von IPv6 ins Betriebssystem kann aber erst erfolgen, wenn das Protokoll als Standard verabschiedet. Gerade im
letzten Jahr ist die Spezifikation von IPv6 wieder grundlegend geändert worden. Nach dieser Änderung
deutet nun aber alles darauf hin, das zumindest IPv6 selbst bald verabschiedet werden kann. Im Februar gibt
es diesbezüglich wieder ein Meeting der IETF.
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