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1. Einleitung
Die heute bestehende Internet Protokoll Version 4 (IPv4) gerät in der nächsten Zeit in die Not,
daß es nicht mehr genügend Adressen für die große Anzahl an Computern, die das Internet ausmachen,
bereitstellen kann. Aus diesem Grund sind die Tage von IP in seiner heutigen Form gezählt. Mit dem
ungeahnten Zustrom auf das Internet seit Mitte der neunziger Jahre und dem entsprechenden explosiven
Wachstum wird es aller Wahrscheinlichkeit nach im nächsten Jahrtausend von einer viel größeren
Gruppe von Menschen benutzt werden. Zur Jahrtausendwende werden bereits über 150 Millionen Menschen das
Internet zum Arbeiten und Vergnügen nutzen. Die Anforderungen der einzelnen Benutzer werden sehr
unterschiedlich sein. Zum einen möchten Millionen von Leuten mit ihren Laptops das Internet benutzen,
um mit ihrem Heimatstandorten in Verbindung zu bleiben. Zum anderen wird es angesichts der bevorstehenden
Verschmelzung der Computer-, Kommunikations-, und Unterhaltungsbranchen nicht mehr lange dauern, dann
ist jeder Fernseher der Welt ein Internet Knoten. Das bedeutet, daß dann Milliarden von Geräten für
Video-on-Demand genutzt werden. Unter diesen Umständen ist ganz augenscheinlich, daß sich das heutige
IP weiterentwickeln und flexibler werden muß, zumal es auch für verschiedene neue Anforderungen
nicht geeignet ist. Angesichts dieser Probleme begann die IETF 1990 die Arbeit an einer neuen Version
von IP. Angestrebt wird eine Version, der nie die Adressen ausgehen, die eine Vielzahl anderer
Probleme löst und die auch flexibler und effizienter ist.
Die wesentlichen Ziele des Projektes waren:
1. Unterstützung von Milliarden von Hosts, auch bei ineffizienter Zuweisung des Adressraums
2. Reduzierung des Umfangs der Routing-Tabellen
3. Vereinfachung des Protokolls, damit Router Pakete schneller abwickeln können
4. Höhere Sicherheit (Authentifikation und Datenschutz) als das heutige IP
5. Mehr Gewicht auf den Dienstarten, insbesondere für Echtzeitanwendungen
6. Unterstützung von Multicasting durch die Möglichkeit, den Umfang zu definieren
7. Möglichkeit für Hosts, ohne Adreßänderung auf Reisen zu gehen
8. Möglichkeit für das Protokoll, sich künftig weiterzuentwickeln
9. Unterstützung der alten und neuen Protokolle in Koexistenz für Jahre
Um ein Protokoll zu finden, das diese Anforderungen erfüllt, veröffentlichte die
IETF eine Ausschreibung zur Einreichung von Angeboten und Diskussion in RFC (Request For Comment) 1550.
Insgesamt sind 21 Vorschläge eingegangen, die nicht alle vollständig waren. Im Dezember 1992
lagen sieben brauchbare Protokolle auf dem Tisch. Die Lösungen reichten von der Durchführung
geringfügiger Änderung in IP bis zur vollständigen Ablösung durch ein ganz anderes
Protokoll.
Eine Lösung sah vor, TCP auf CLNP aufzusetzen, das mit seinen 160-Bit-Adressen ausreichend
Adreßraum für ewige Zeiten geboten und zwei wichtige Protokolle der Vermittlungsschicht
vereint hätte. CLNP wurde eng nach IP ausgelegt, so daß sich die zwei Protokolle kaum
unterscheiden. Im Grunde unterscheidet sich das letztendlich angenommene Protokoll mehr vom alten
IP als CLNP. Ein weiterer Negativpunkt gegen CLNP war seine schlechte Unterstützung von Dienstarten,
was besonders im Hinblick auf die effiziente Übertragung von Multimediadaten als wichtig erachtet
wurde. Drei der besten Vorschläge wurden im IEEE Networking veröffentlicht. Nach heftigen
Diskussionen und zahlreichen Revisionen wurde eine geänderte kombinierte Version zweier Protokolle
unter dem damaligen Namen SIPP gewählt und schließlich mit IPv6 bezeichnet, da IPv5 schon als
experimentelles Protokoll benutzt wurde. Im folgenden Dokument möchten wir die Unterschiede
zwischen dem heutigen IPv4 und seinem Nachfolger vorstellen.
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